STELLUNGSNAHME REGiE : THE ROBBER / DER RÄUBER

STELLUNGSNAHME REGiE

Meine Erzählung basiert auf der Geschichte einer guten Freundin, die mir das Einverständnis gab, sie zu verwenden: Sie wehrte sich gegen den Inzest des Vaters – wie das Mädchen in meinem Film – in dem sie am Küchentisch der Mutter erzählte, dass gestern Nacht ein Räuber gekommen sei. Seit- her liess der Vater die Finger von ihr.

Seit ich mich eingehend mit der Thematik befasse, ist mir aufgefallen, dass meine Freundin kein Einzelfall ist. Sexuelle Übergriffe innerhalb der Familie geschehen erschreckend oft. Die persönli- chen Schäden sind gross, es ist anzunehmen, das manche psychische Störung auf ein Missbrauchs- geschehen zurückzuführen ist.

Wenn in den Medien über die Thematik berichtet wird, dann meistens über die schreckenerregen- den Fälle – Bilder dazu sind wohl jedem im Kopf. In meinem Film geht es jedoch um den sexuellen Missbrauch, wie er nach Schätzungen in ungefähr jeder zehnten Familie geschieht. Mich interessie- ren die Fälle, über die niemand spricht. Mich interessieren Familiengeheimnisse.

Das Ungeheuerliche, was das Mädchen in meinem Film erlebt, kann ich nicht in Worte fassen – ich will es auch nicht. Es geht mir um die Visualisierung des inneren Kampfes des Mädchens. Auf ex- plizite Darstellungen sexueller Handlungen habe ich verzichtet. Der Zuschauer wird gefordert sein, sich in die Welt des Mädchens hineinzufühlen.

Ich kann nur von Dingen glaubhaft erzählen, die mich berühren: Die Thematik des sexuellen Miss- brauchs beschäftigt mich schon lange – weil ich sie aus meinem nahen Umfeld kenne. Daher war es ein inneres Bedürfnis diesen Film zu machen.